Die Mythen von Kreativität und Innovation

Die heutige, schnelllebige Zeit lässt uns nur schwer neue Ideen entwickeln und fördern. Es ist kaum möglich, darauf zu warten bis eine einzelne Person mal wieder was neues erfindet, welches dann in Unternehmen gebaut und vertrieben werden kann.

Diese Zeit haben wir nicht mehr. Alles geht schneller, weshalb auch der Anspruch besteht, dass alles gestern schon fertig sein sollte.

Kreativität Mythen

Klar, die Digitalisierung sowie das Internet helfen uns, Dinge rascher voran zu treiben. Auch Fördermittel und Unterstützer, wie Business Angels oder Entwickler, sind reichlich da. Sie warten sehnsüchtig auf Aufträge. Darauf, Ideen umzusetzen und sie zu Innovationen werden zu lassen.

Doch wo hängt es denn nun? Mangelt es etwa an Ideen? Und wenn ja, warum?

„Alles, was erfunden werden kann, ist erfunden worden!“ Diesen Satz sagte einst Charles H. Duell, Hauptbevollmächtigter des U.S. Patentamtes. Ein schöner Satz, der irgendwie dazu motiviert, jetzt erst recht neue Erfindungen hervorzubringen. Leider ist selbst dieser Satz ein Mythos. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Charles Duell diese Aussage jemals gemacht hat.

Diesen und weitere Mythen die von Ideenentwicklung, Innovationen und Kreativität handeln gibt es reichlich. Begrenzende Glaubenssätze stecken nach wie vor in vielen Köpfen der Menschen. Dadurch geht leider großes Potenzial verloren.

Weil kreatives Potenzial in uns allen steckt und nur gefördert werden müsste.


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Es wird Zeit mit folgenden Glaubenssätzen zum Thema Innovation und Kreativität aufzuräumen.

1. Nur besonders kreative Menschen haben Ideen!

Kreativität bedeutet nicht nur gutes Design. Und gutes Design bedeutet nicht nur gutes Aussehen. Sondern, Kreativität bedeutet außergewöhnliche Lösungen für verzwickte Probleme zu finden. Und gutes Design bedeutet, Ausstattungsmerkmale benutzerfreundlich in Form und Funktion zu gestalten.

Jetzt frage ich mich, „können Lösungen nur von kreativen Menschen gefunden werden?“ Meine Antwort: „Absolut jeder kann Lösungen finden. Diese sind immer kreativ. Solange sie der eigenen Persönlichkeit entsprechen und nicht allein durch extrinsische Motivation gefördert wurden.

2. Kreativität geht nicht in große, etablierte Unternehmen

Eigentlich ist es egal, ob ein Unternehmen groß oder klein, alt oder jung ist. Es kommt ganz alleine darauf an, ob den Mitarbeiter Raum für Kreativität gegeben wird. Leider gibt es immer wieder Betriebe, die die Kreativität ihrer Mitarbeiter unterdrücken.

Nicht immer beabsichtigt. Oftmals ist einfach nur das Tagesgeschäft mit seinem hohem Arbeitsvolumen ideenbremsend. Manchmal aber wird die Kreativität der Belegschaft auch aus vermeintlich ökonomischen Gründen unterdrückt.

Die Mitarbeiter sollen ihre Arbeit schnell und fehlerfrei machen. Das verspricht Rentabilität, vorläufig zumindest. Dies lässt sich gut in Zahlen ausdrücken und macht Shareholder glücklich. Das dabei nicht nur Mitarbeiter sondern auch die Unternehmen selbst auf der Strecke bleiben könnten, wird ignoriert.

Doch was passiert in einer Krise? Was, wenn plötzlich Aufträge wegfallen. Was, wenn Mitarbeit verlernt haben kreativ und eigenverantwortlich zu agieren und somit auch zu reagieren?

Der Erfolg aus der Vergangenheit ist plötzlich kein Pfifferling mehr wert. Ein völliges Umdenken ist gefragt.

Dies betrifft auch große und alt eingesessene Unternehmen. Jetzt stellt sich heraus, welche Unternehmen es schaffen auch in, oder gerade während, der Krise mit neuen, kreativen Ideen zu trumpfen.

3. Kann nur eine eigens dafür eingerichtete Abteilung

Gerade größere Unternehmen, die es sich leisten können, stellen eine sogenannte Innovationsabteilung zusammen mit dem schönen Namen Innovationsmanagement (früher Betriebliches Vorschlagswesen).

Eine Abteilung, die Mitarbeiter dazu anhält neue Ideen zu generieren. Und zwar möglichst viele. Wenn´s sein muss auch mit Anreizen, wie zum Beispiel Prämien.

Hier werden Ideen auf deren Tauglichkeit geprüft. Um sie bei Eignung an den entsprechenden Fachbereich weiterzugeben. Der ideengebende Mitarbeiter erhält dafür einen Bonus (Oh weh, da ist sie wieder die nicht funktionierende extrinsische Motivation).

Klar müssen Ideen auf ihre Tauglichkeit geprüft werden.

Richtet man dafür aber eine Abteilung ein, ist auch diese wieder gezwungen auf ihre Daseinsberechtigung zu achten. Wer will schon gerne am Stuhlbein seines eigen Stuhles sägen! Genau deshalb sind auch deren Erfolge zwar in tollen Zahlen zu belegen, mit den man sowohl im Innen als auch im Außen brillieren kann. Effektiv sind sie allerdings nicht. Da werden schnell mal Ideen umgesetzt die es nicht wirklich verdient haben, nur damit man mit Erfolgen (Masse) glänzen kann.

Ein sehr wahrer Blogbeitrag von Bernd Geropp dessen Podcasts ich immer wieder gerne höre. Er bringt genau dies auf den Punkt https://www.mehr-fuehren.de/ideenmanagement/

Viele gute Unternehmensberater warnen deshalb vor dem Abkommandieren von Mitarbeitern für das Innovations- bzw. Ideenmanagement. Besser ist es stattdessen, jeder Führungskraft die Möglichkeit zu bieten, kreative Leistung seiner Mitarbeiter zu fördern.

4. Nur das Management kann Innovationen vorantreiben

Viele Hinweise deuten darauf, dass Unternehmen ein dafür ausgelegtes Management benötigen um Innovationen voranzutreiben. Nur dieses wäre in der Lage das nötige Know-how zu liefern sowie Ziele, Zweck und Erwartungshaltung zu definieren.

Die nötigen Aktivitäten sollen schließlich strategisch aufgebaut werden. Ebenso braucht es eine Führung im gesamten Prozess, von der Idee über die Entwicklung bis zum Vertrieb.

„Dieses doch so wichtige Vorhaben kann doch nicht von den gewöhnlichen Mitarbeitern übernommen werden? Schließlich hängt die Zukunft unseres Unternehmens von neuen Impulsen ab.“ So argumentiert manch Firmeninhaber, der sich ein echtes, kollegiales Miteinander aller Betriebsangehöriger nicht vorstellen kann.

Doch wer treibt denn neue Ideen – von der Entwicklung bis zur Markteinführung und darüber hinaus – voran?

Ist es wirklich das Management? Oder sind es nicht doch die unterschiedlichen Mitarbeiter, die an die Idee glauben, diese umsetzen und deren Erfolg voran treiben? Mitarbeiter die allein durch intrinsische Motivation bereit sind, Ideen aktiv zu initiieren und zu tragen.

Ich will nicht sagen, dass das Management nicht gebraucht wird. Ganz im Gegenteil. Nur nicht als alleiniger Generator neuer Ideen. Sondern für das Bereitstellen einer offenen Unternehmenskultur. Einer Kultur, die bei ihren Mitarbeitern Kreativität zulässt. Einer Kultur, die dafür sorgt, dass Fehler nicht als Fehler gesehen werden. Sondern als große Chance für Erneuerungen.

5. Innovationen müssen von Anfang an gut durchdacht sein

Hier gilt ein klares Nein. Es ist schier unmöglich eine Innovation von Anfang bis Ende zu durchdenken. Viel zu viele Bausteine, viel zu viele Probleme, viel zu viele Zwischenschritte braucht es, damit aus einer Idee eine Innovation wird. Wenn das Ergebnis nicht bekannt ist, wie kann es der Weg dorthin sein? Existiert die Lösung bereits in den Köpfen ist es keine Innovation, sondern einfach nur eine Lösung.

Die Rahmenbedingungen sollten allerdings schon strategisch aufgestellt werden.

Dazu gehören

  • die Unternehmenskultur (offen für neues) zu kommunizieren,
  • alle Beteiligte über die zu verfolgenden Ziele zu informieren sowie
  • notwendiges Wissen an alle beteiligten Mitarbeiter weiterzugeben.

6. Die echte Innovation erfordert Perfektionismus

Wenn Details eine große Bedeutung bekommen, kann das Ziel niemals erreicht werden. Viel zu stark sind die Verzwickungen.

Stell dir vor, du hast einen langen Weg vor dir. Du gehst aber nicht regelmäßig eine gewisse Strecke, sondern halbierst deine Strecke täglich. In diesem Fall wärst du zwar viel unterwegs, kämst aber niemals, und damit meine ich wirklich niemals, an.

Da Ressourcen in Unternehmen bekanntlich endlich sind, wird das Budget bald aufgebraucht sein, lange bevor das Ziel erreicht ist.

Keiner weiß von Anfang an ob eine Idee erfolgreich sein wird. Und der Weg bis zum fertigen Produkt kann lang und mühselig sein. Deshalb ist es ratsam Ressourcen zu schonen. Ideen früh auf Tauglichkeit zu prüfen, anzupassen und im Notfall auch mal zu verwerfen.

7. Innovationen zu entwickeln kostet viel Geld

Die Kosten für gescheiterte Innovationen gehen jährlich in die Milliarden. Klar ist, dass die erwirtschafteten Beträge erfolgreicher Innovationen weit aus höher liegen und den Fortbestand eines Unternehmens sichern. Deshalb gehen Unternehmen dieses Risiko gerne ein.

Trotzdem ist es von Vorteil die Ausgaben für Entwicklung nicht unnötig hoch zu treiben. Einen großen Teil der unnötigen Kosten entstehen dadurch, dass zu lange an der Entwicklung mancher Idee festgehalten wird. Auch hier stellt sich das frühe Scheitern und Verwerfen als Wettbewerbsvorteil heraus. Und nicht als Nachteil, wie manche glauben.

Wie kann man feststellen, ob es sich lohnt eine neue Idee voranzutreiben?

Durch testen und fragen kommt man der Wahrheit immer ein Stück näher. Der Dialog mit den Nutzern ist an dieser Stelle ausgesprochen hilfreich und zielführend. Vorausgesetzt man vertraut den Testern und hört auch das, was man nicht hören will.

Eine ergebnisoffene Denkweise sorgt dafür, nicht unnötig lange an einer bereits toten Idee festzuhalten. Je früher eine Idee in die Testphase geht, desto emotionsloser wird sowohl der Anwender als auch der Entwickler sein. Wer traut sich schon einen Prototypen – an dem bereits monatelang gearbeitet wurde und der schon sehr ausgearbeitet ist – zu kritisieren.

Die Entwicklung neuer Ideen braucht außerdem Zeit, Geduld und Durchhaltekraft.

8. Innovation ist die Leistung eines einzelnen

Um bahnbrechende Ideen zu entwickeln braucht es ein Team mit einer bunte Mischung an Kompetenzen. Das beste Ergebnis kommt zustande wenn,

  • unterschiedliche Beschäftigte gemischtes Fachwissen und
  • unterschiedliche Charaktere ihre persönliche Sichtweise einbringen.

Heterogene Teams erzeugen ein spannungsvolles Umfeld, in dem außergewöhnliche Ideen erst entstehen können.

Selbst unterschiedliche Vorstellungen oder gar Konflikte innerhalb des Teams können der Produktivität nichts anhaben. Vorausgesetzt die Teammitglieder sind sich dessen bewusst und halten sie bereitwillig an die Regeln der kollektiven Zusammenarbeit.

9. Ideen haben nur junge, frische Leute

Das einzige was man braucht um neue Ideen zu erzeugen ist Neugier.

Innovationen sind oft eine Kombination aus Altem und Neuem. Deshalb sind gute Entwickler oft diejenigen die über eine große Lebenserfahrung verfügen. Sie schaffen es anscheinend mühelos das Wissen über vergangene Erfindungen mit der heutigen Technik zu verbinden.

Das hört sich erst mal gut an, doch leider fehlt den erfahrenen Menschen etwas wichtiges. Beziehungsweise, sie hatten es einmal und haben es verloren. Es ist die jugendliche Leichtigkeit und das Bedürfnis wirklich Außergewöhnliches zu schaffen, auch wenn es Jahre dauern sollte. Wer diese Denkweise nicht besitzt bremst sich stattdessen selbst.

Die beste Kombination besteht deshalb aus jungen, offenen Menschen zusammen mit erfahrenen Personen. Wenn diese dann noch mutig, tolerant und interdisziplinär sind, sind sie als Team unschlagbar.

Bei bento.de, dem jungen Magazin von SPIEGEL, gibt es einen lustigen Artikel über brauchbare und unbrauchbare Erfindungen 😉

Selbstverständlich reicht es nicht aus, einfach nur Einfälle zu haben. Sie müssen auch umgesetzt werden. Dazu braucht es Unterstützer. Menschen die an die Ideen glauben, diese entwickeln und vorantreiben. Hier beginnt die eigentliche Arbeit.

Aber das steht in einem anderen Kapitel…

Wie kann Empathie die Motivation beeinflussen?

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